Der Kampf um die Nachhaltigkeit wird in den Städten gewonnen oder verloren

Die Professorin Xuemei Bai, eine weltweit führende Expertin und Vordenkerin in Sachen Urbanisierung und Nachhaltigkeit, erhält den Volvo Umweltpreis 2018. Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Städten und die Landflucht nimmt mit nie zuvor gesehener Geschwindigkeit zu. Wir werden in Zukunft bei Planung, Bau und Verwaltung von Städten völlig neue Wege gehen müssen, so Xuemei Bai.
Xuemei Bai

Städte sind seit jeher Wiege und Antrieb neuer Ideen und Entwicklungen. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Von den ersten Anfängen der industriellen Revolution im Birmingham des 18. Jahrhunderts bis zum rasanten Wirtschaftswachstum im indischen Bangalore der Gegenwart.

Weltweit zieht die Verheißung eines besseren Lebens Millionen von Menschen in die Städte. Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit leben mehr Menschen in den Städten als in ländlichen Gebieten. Dieser Trend wird sich fortsetzen: Im Jahr 2050 werden mehr als zwei Drittel der Weltbevölkerung in städtischen Gebieten leben.

„Urbanisierung ist wohl eine der größten gesellschaftlichen Veränderungen unserer Zeit“, so Xuemei Bai, Professorin für Urban Environment and Human Ecology an der Fenner School of Environment and Society der Australian National University in Canberra.

Die in China geborene und aufgewachsene Bai hat viele Jahre in Japan gelebt und ist heue australische Staatsbürgerin. Ihr Forschungsgegenstand ist die Frage, wie sich die rasch wachsenden Städte lebenswerter, nachhaltiger und resilienter gestalten lassen. Sie gilt als führende Expertin in ihrem Feld. Sie beschäftigt sich vor allem mit Asien und der südlichen Hemisphäre. Denn während in der nördlichen Hemisphäre mitunter erfolgreich versucht wird, Städte intelligent, grün und klimaneutral zu gestalten, sind Städte wie das nigerianische Lagos um das Hundertfache angewachsen und haben sich zu ökologischen Alpträumen entwickelt. Die Bevölkerung in Lagos ist in nur zwei Generationen von 200.000 auf fast 20 Millionen angewachsen. Zwar gibt es auch wohlhabende Stadteile, doch mangelt es in der ganzen Stadt an Organisation. Viele der Einwohner leben in Slums ohne Zugang zu Wasser oder sanitären Anlagen. Staus sind keine Seltenheit und die Luft ist voller Abgase. Laut Prognosen könnte Lagos zur weltweit größten Stadt werden. Wenn sich das Bevölkerungswachstum in Nigeria fortsetzt, werden bis zu 85 Millionen Einwohner erwartet. Die ökologischen Folgen wären katastrophal.

Andere Megastädte wie Guangzhou und Peking in China und Kinshasa in der Demokratischen Republik Kongo wachsen jedoch noch schneller. Alle der 10 am schnellsten wachsenden Megastädte liegen in Asien oder Afrika.

Xuemei Bai:

„Es heißt, dass der Kampf um die Nachhaltigkeit in den Städten gewonnen oder verloren werden wird. Ich würde noch einen Schritt weitergehen und sagen, dass es die Städte der südlichen Hemisphäre sein werden, in denen dieser Kampf entschieden wird.

In keinem Land der Welt hat die Verstädterung ein so überwältigendes Ausmaß und eine solche Geschwindigkeit erreicht wie in China. Hierbei handelt es sich vermutlich um die schnellste und größte Migrationsbewegung in der Geschichte der Menschheit. Fast 500 Millionen Menschen sind innerhalb von nur 30 Jahren aus ländlichen Gebieten in die Großstädte Chinas gezogen. Diese Entwicklung hat das überwältigende Wirtschaftswachstum des Landes ermöglicht, ist jedoch auch für die Verschmutzung von Luft, Flüssen und Böden verantwortlich. Die chinesische Regierung versucht zwar, die Folgen abzumildern, diese werden voraussichtlich jedoch noch mehrere Generationen zu spüren sein.

Das zentrale Thema der Forschung von Xuemei Bai ist die Frage, wie die Entstehung neuer städtischer Gebiete richtig gehandhabt werden kann. Da rund 75 % der CO2-Emissionen auf städtischen Energieverbrauch zurückzuführen sind, haben die Entwicklungen in Städten weitreichende Auswirkungen. Damit Städte nachhaltiger werden, müssen ihr Energieverbrauch und ihre Emissionen reduziert werden. Die Materialnutzung und Energieerzeugung müssen ganz wie in natürlichen Ökosystemen in Kreisläufen organisiert werden.

„Wir müssen Städte als eine Art komplexes Ökosystem betrachten, das vor allem von Menschen bewohnt wird, und dementsprechend steuern. Wenn uns das gelingt, kann die Menschheit mit ihren Städten in eine vielversprechende Zukunft blicken.“

Aus der Begründung der Jury der Volvo Environment Prize Foundation:

„Professorin Xuemei Bai ist eine der aktivsten Vordenker weltweit im Bereich Urban Sustainability. Sie arbeitet auf vielen verschiedenen Ebenen und beschäftigt sich mit theoretischen wie praktischen Fragen. Ihr Schwerpunkt liegt auf Stadtentwicklung in Ostasien. Ihre Arbeit stellt ein hervorragendes Beispiel der Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in Politik und Praxis dar."

Brian Schmidt, Physiknobelpreisträger und Vizekanzler der Australian National University, bekräftigt: 

„Xuemei Bai ist eine herausragende Wissenschaftlerin und ihrer Zeit weit voraus. Mit ihrer Forschung hier in Asien beweist sie ein empfindliches Gespür für die Herausforderungen der Gegenwart. Es ist eine der wichtigen Aufgaben unserer Zeit, Verstädterungsprozesse zu analysieren und nachhaltig zu gestalten. Ich bin überzeugt, dass diese Forschungsrichtung sich weltweit als breitgefächerte Disziplin etablieren wird.“

Der Volvo Umweltpreis wurde im Jahr 1988 zum ersten Mal verliehen und hat sich zu einem der renommiertesten Umweltpreise der Welt entwickelt. Er wird jährlich für herausragende wissenschaftliche Leistungen in den Bereichen Umwelt und nachhaltige Entwicklung vergeben. Der Preis umfasst eine Urkunde sowie eine Glasskulptur und ist darüber hinaus mit 1,5 Millionen SEK (ca. 145.000 EUR) dotiert. Die feierliche Preisverleihung findet am 15. November in Stockholm statt. 28. November 2018.

Weitere Informationen zum Volvo Umweltpreis und zur diesjährigen Preisträgerin erhalten Sie von Professorin Mary Scholes (Mitglied der Jury) von der University of Witwatersrand, Südafrika ,   E-Mail: Mary.Scholes@wits.ac.za    Telefon: +27-11 7176507 

Weitere Informationen zur Preisträgerin 2018 und zum Volvo Umweltpreis finden Sie unter: www.environment-prize.com 

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Xuemei Bai, Professorin an der Fenner School of Environment and Society der Australian National University in Canberra in Australien, ist die Volvo Umweltpreisträgerin 2018. /Foto: Tore Marklund 

29. Oktober 2018

Weitere Informationen finden Sie unter: volvogroup.com/press 

Der Volvo Konzern ist einer der weltweit größten Hersteller von Lkw, Bussen, Baumaschinen sowie Schiffs- und Industriemotoren. Ein umfassendes Spektrum an Finanzierungs- und Service-Dienstleistungen gehört ebenfalls zum Angebot des Konzerns. Die Volvo Group beschäftigt fast 100.000 Mitarbeiter an Fertigungsstandorten in 18 Ländern und vertreibt ihre Produkte in mehr als 190 Märkten. Im Jahr 2017 beliefen sich die Umsätze der Volvo Group auf 335 Milliarden SEK (35 Milliarden EUR). Die Volvo Group ist ein börsennotiertes Unternehmen und hat ihren Sitz im schwedischen Göteborg. Volvo Aktien sind an der Stockholmer NASDAQ-Börse notiert.

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