Der Ökologe Terry Chapin, Vater des „Earth Stewardship“-Konzepts, erhält den Volvo Umweltpreis 2019

Ein Ökologieprofessor, der jahrzehntelang unter schwierigsten Bedingungen in der Arktis geforscht und Feldstudien durchgeführt hat, ist der Gewinner des Volvo Umweltpreises 2019.
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In der dreißigjährigen Geschichte des Preises hat die Jury nicht selten Preisträger gekürt, deren Forschung sich als entscheidend für die Gestaltung der modernen Nachhaltigkeitsagenda erwiesen hat. Dies gilt auch für Terry Chapin. Als Professor für Ökologie an der University of Alaska in Fairbanks hat er viel Zeit in der Tundra Sibiriens und Alaskas verbracht und dort Prozesse untersucht, von denen wir heute wissen, dass sie dramatische Auswirkungen auf das globale Klima haben können. In den letzten 10 Jahren hat er sein Wissen über ökologische Zusammenhänge mit ethischen Fragestellungen verknüpft und das sogenannte „Earth Stewardship“-Konzept entwickelt.

Vor einigen Jahrzehnten begann eine Handvoll Wissenschaftler, darunter Terry Chapin, zu verstehen, welche Auswirkungen der Klimawandel auf die kohlenstoffreichen Kältesteppen, Permafrostböden und Nadelwaldgürtel der nördlichen Hemisphäre hat. Terry Chapin:

- In Alaska und der restlichen Arktis schreitet der Klimawandel doppelt so schnell voran wie in der übrigen Welt. Und weil Alaska so temperaturempfindlich ist, werden die dortigen Prozesse am stärksten betroffen sein.

Das passiert schon jetzt. In der Wildnis Alaskas gab es schon immer Waldbrände, doch in den letzten zehn Jahren haben sie dramatisch zugenommen. Die Waldbrände sind größer und treten häufiger auf, weil das Wetter wärmer und trockener geworden ist. Das ist der Grund dafür, dass die Stadt Fairbanks in Alaska, die inmitten unberührter Natur und abseits luftverschmutzender Industrieanlagen liegt, wochenlang die weltweit schlechteste Luftqualität haben kann, wenn durch nahegelegene Waldbrände riesige Rauchwolken entstehen.

Wissenschaftler der Universität von Alaska in Fairbanks beobachten aufmerksam die Veränderungen, die sich im gefrorenen Boden abspielen. Beim Auftauen wird unter anaeroben Bedingungen Kohlenstoff freigesetzt, sodass das starke Treibhausgas Methan in die Atmosphäre gelangt. Niemand weiß genau, wie schnell der Prozess abläuft, doch die Auswirkungen könnten dramatisch sein. Schätzungen zufolge enthält allein der arktische Permafrostboden fast doppelt so viel Kohlenstoff wie die gesamte Atmosphäre. Wird nur ein Teil dieses gefrorenen Kohlenstoffs freigesetzt, wäre dies mehr, als der Mensch in mehreren Jahrzehnten mit seinen Fahrzeugen, Fabriken, Kraftwerken, Schiffen und Flugzeugen an Emissionen verursacht.

Während seiner langjährigen Forschung zu den Auswirkungen des arktischen Klimawandels hat Terry Chapin eng mit indigenen Bevölkerungsgruppen in Alaska zusammengearbeitet und sich von ihnen inspirieren lassen.

- Indigene Völker haben eine wunderbare Tradition und Geschichte in Bezug auf das Land, denn ihr Überleben hängt davon ab. Es gibt eine Ethik des Respekts, die in den westlichen Gesellschaften zu einem gewissen Grad verloren gegangen ist.

Terry Chapin hält es für wichtig, die Ethik des Respekts vor der Natur und dem Land neu zu erlernen, weshalb er das sogenannte „Earth Stewardship“-Konzept für die Beziehung zwischen Mensch und Natur entwickelt hat. Dabei handelt es sich um eine Reihe ökologischer und ethischer Leitlinien, die darauf abzielen, die biologische Vielfalt und das planetare Lebenserhaltungssystem zu bewahren, indem man verantwortungsbewusst handelt – sehr oft auf lokaler Ebene. Er ist zuversichtlich, dass Basisinitiativen eine Veränderung der Lebensweise bewirken können, was wiederum der Umweltbilanz zugute käme und klimafreundliche Unternehmen und Gesetze zur Folge hätte.

- In den letzten 70 Jahren haben menschliche Aktivitäten ein Ausmaß erreicht, das das Antlitz der Erde verändert. Dies ist einer der Gründe dafür, dass ich das „Earth Stewardship“-Konzept für so wichtig halte. Es birgt die Chance, den weiteren Weg der Menschheit neu zu gestalten.

Aus der Begründung der Jury der Volvo Environment Prize Foundation:

„Professor Terry Chapin beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Erforschung von Ökosystemen und globalen Veränderungen und hat sich in dieser Zeit unermüdlich für unseren Planeten engagiert. Seine Arbeit wird bleibende Spuren hinterlassen, was die Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft betrifft. Das „Earth Stewardship“-Konzept fördert einen tiefgreifenden institutionellen und strukturellen Wandel, der für die Bewältigung der anstehenden Herausforderungen unerlässlich ist. “

 

Weitere Informationen über den Volvo Umweltpreis und den diesjährigen Preisträger erhalten Sie vom Vorsitzenden der Jury, dem emeritierten Professor Will Steffen von der Fenner School of Environment & Society der Australian National University, E-Mail: will.steffen@anu.edu.au

Der Volvo Umweltpreis feiert sein dreißigjähriges Bestehen und hat sich zu einem der renommiertesten Umweltpreise der Welt entwickelt. Er wird jährlich für herausragende wissenschaftliche Leistungen in den Bereichen Umwelt und nachhaltige Entwicklung vergeben. Der Preis umfasst eine Urkunde sowie eine Glasskulptur und ist darüber hinaus mit 1,5 Millionen SEK dotiert. Die feierliche Preisverleihung findet am 7. November 2019 statt.

Weitere Informationen zum Preisträger von 2019 und zum Volvo Umweltpreis finden Sie unter: www.environment-prize.com

Der emeritierte Ökologieprofessor Stuart „Terry“ Chapin III, University of Alaska, Fairbanks, USA, ist der Gewinner des Volvo Umweltpreises 2019. Foto: Tore Marklund

 

Informationen zur Volvo Group

Die Volvo Group sichert den Wohlstand mit Transportlösungen und bietet Lkw, Busse, Baumaschinen, Antriebe für Industrie und Seefahrt sowie Finanzierungen und Dienstleistungen an, die unseren Kunden zur größerer Mobilität und mehr Produktivität verhelfen. Die Volvo Group wurde 1927 gegründet und hat sich der Gestaltung nachhaltiger Transport- und Infrastrukturlösungen verschrieben. Die Volvo Group hat ihren Hauptsitz im schwedischen Göteborg, beschäftigt 105.000 Mitarbeiter und bedient Kunden in mehr als 190 Märkten. 2018 belief sich der Nettoumsatz auf etwa 391 Milliarden SEK (38,1 Milliarden EUR). Volvo Aktien sind an der Stockholmer NASDAQ-Börse notiert.

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